Gekrönte Winzerin von der Bergstraße

Charlotte Freiberger im Mitgliedsporträt

Emsige Betriebsamkeit herrscht auf dem Hof der Familie Freiberger. Während Mama Elisabeth nebenbei das Mittagessen auf dem Herd kocht, klingelt das Telefon, ein Kunde kommt vorbei. Zu tun ist hier immer was, vom Wirtschaften in den Weinbergen über den Ausbau des Weines bis hin zur Vermarktung. Die H. Freiberger oHG ist das größte privat vermarktende Weingut im Anbaugebiet. „Qualität steht und stand bei uns schon immer an oberster Stelle. So begleiten wir
unsere Reben das ganze Jahr über und pflegen sie in unermüdlicher Handarbeit“, sagt Charlotte Freiberger. Vor über 90 Jahren gründete ihr Urgroßvater den Familienbetrieb an der Hessischen Bergstraße. „Mit mir steht die vierte Winzergeneration in den Startlöchern“, freut sich Charlotte. Das Weingut, das ihre Eltern zusammen mit ihrem Onkel führen, wird sie übernehmen. Die besten Voraussetzungen hat sie dafür geschaffen: Nach ihrem Bachelor in Weinbau und Önologie machte sie ihren Master of Science an der renommierten Hochschule Geisenheim University und an der Universität für Bodenkultur in Wien.

Charmant und natürlich

Dass sie Winzerin wird, war nicht von Anfang an in ihrem Lebensplan festgeschrieben – auch wenn sie als Kind schon immer gern draußen war und lieber in den Weinbergen herumstreunte, als mit Puppen zu spielen. Nach dem Abitur absolvierte sie erst einmal ein Praktikum, um ein ganzes „Weinjahr“ in anderen Betrieben kennenzulernen. Die Zeit auf Schloss Johannisberg und im Remstal verging wie im Fluge – „ein Zeichen dafür, dass das, was man macht, auch wirklich Spaß macht“, erzählt sie. Und so stand für sie fest: „Das möchte ich auch in Zukunft machen.“ 2011 begann sie dann ihr Studium, das sie 2016 erfolgreich abschloss. 2016 war auch das Jahr, in dem Charlotte zur Bergsträßer Weinkönigin gekürt wurde – bevor sie im Herbst 2017 zu noch höheren Würden aufstieg: Charlotte wurde zur Deutschen Weinprinzessin 2017/18 gekrönt.

Unter den Kandidatinnen aus allen 13 deutschen Weinanbaugebieten schaffte sie mühelos den Einzug ins Finale. Bei der großen Wahlgala konnte sie die Fachjury durch Eloquenz, Fachwissen, Charme, Natürlichkeit und eine souveräne Vorstellung überzeugen. Nun wirbt sie gemeinsam mit einer weiteren Weinprinzessin und der Deutschen Weinkönigin für die unverwechselbaren deutschen Weine. Wenn sie eines nicht ist, dann prinzessinnenhaft aber gerade das qualifiziert sie zu einer Weinhoheit. Bodenständig und ohne Allüren begeistert sie sich für Wein – und wie man aus Trauben so etwas Wunderbares herstellen kann. „Wer in einem landwirtschaftlichen Beruf arbeitet, muss mit anpacken können“, so Charlotte.

Grenzenlos - Bergsträßer Traube trifft auf Pfälzer Traube

Als Deutsche Weinprinzessin wird sie nun spannende Termine im In- und Ausland im Dienste des deutschen Weins absolvieren. „Die Chance auf dieses tolle Jahr hat man nur einmal im Leben“, sagt Freiberger. Sicherlich wird sie auch viele neue Ideen und Impulse aus dieser Zeit mitnehmen. „Mein Vater und ich treffen Entscheidungen gemeinsam“, erzählt Charlotte. Und so treffen langjährige Erfahrungen und neue aufeinander. Diese machte Charlotte im Laufe ihres Studiums und bei vielen Praktika, unter anderem auch in Neuseeland und Frankreich.

Etwas Neues hat Charlotte zusammen mit ihrem Freund Christoph aus der Pfalz ausprobiert. „Wir haben handgelesene Trauben aus beiden Anbaugebieten gemeinsam vinifiziert – was normalerweise nicht üblich ist“, erklärt sie. Und genau deswegen, und natürlich auch wegen ihrer Liebe, nennen die beiden ihren Wein „Grenzenlos“. Er vereint nicht nur Trauben der Pfalz und der Hessischen Bergstraße, sondern auch die Leidenschaft zweier Jungwinzer für den Wein. Der Wein spiegelt deutlich die Mineralität und Frische der Pfalz sowie die Fruchtigkeit und Komplexität der Bergstraße wider. Er lässt auf eine spannende Zukunft hoffen, denn es wird sicherlich nicht das einzige Projekt der beiden sein.