Mit Optimismus durchs Leben

Doris Beyer im Mitgliedsporträt

Gerade einmal fünf Jahre war die kleine Doris alt, als sie 1945 gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern ihre Heimat verlassen musste. „Viel Gepäck konnten wir nicht mitnehmen, nur die Habseligkeiten, die in eine Truhe passten“, erzählt Doris Beyer. Im Esszimmer der Crumstädterin
steht diese heute noch. „Im Laufe der Jahre wurde sie aufgearbeitet und verziert, aber sie erinnert mich immer noch daran, wo ich herkomme“, erzählt sie. Mehr als drei Millionen Sudetendeutsche
wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben.

Ankommen in der Heimat

Sie kommen in das Deutschland der „Stunde null“. Es mangelt an Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten, Wohnraum, Kleidung, Heizmaterial und Arbeit. Mit offenen Armen wurden die
Vertriebenen aus dem Sudetenland nicht aufgenommen. Dazu war die Lage viel zu dramatisch. Zu den Vertriebenen kamen die Ausgebombten und viele andere Heimatlose. Alle suchten nach
Unterkunft und Versorgung. Wohn- und Lebensraum mussten erst neu geschaffen werden. Und so dauerte es auch eine ganze Zeit, bis Doris Beyers Familie eine ordentliche Unterkunft beziehen
konnte. „Die fanden wir dann in Eschollbrücken“, erzählt sie. „Und zum Glück war auch mein Vater wieder mit der Familie vereint, der lange Zeit in den Kriegswirren nicht wusste, wo wir eine neue Heimat gefunden hatten.“ Doris ging gerne zur Schule, schloss diese erfolgreich ab und machte im Anschluss eine Lehre zur Industriekauffrau. Dann stand die eigene Familiengründung
an: Mit der Geburt ihrer Tochter kümmerte sich Doris Beyer erst einmal um Kind, Haus und Hof. „Familie zu haben ist so wertvoll. Neben einer Tochter wurden meinem Mann Günther und mir noch zwei Enkel und mittlerweile drei Urenkel geschenkt“, erzählt sie dankbar.  

Doris Beyer ist eine Frau der Tat. Im Philippshospital lernte sie einen Arzt aus Litauen kennen, der sie zu ihrer ehrenamtlichen Arbeit bei den „Freunden von Taurage˙“ brachte. Der Arzt hatte sich
zum Ziel gesetzt, die Menschen in seiner ehemaligen Heimat zu unterstützen. Vor über 25 Jahren wurde daher der gemeinnützige Verein gegründet. Doris Beyer war vom ersten Moment an engagiert mit dabei.

Mit der Gründung des Vereins wurde auch die Städtepartnerschaft von Riedstadt und Taurage˙ verfestigt. „Aufgabe unseres Vereines war es damals, die formelle Partnerschaft mit Leben zu erfüllen“, erzählt Doris.  

Viele Male sind Doris und Günther Beyer mit einer Delegation nach Litauen gereist. Taurage ist eine kleine Stadt im Westen des Landes mit etwa 26.000 Einwohnern. Begeistert ist Doris Beyer von der großen Gastfreundschaft. „Ich werde nie die sehr betagte Frau vergessen, die es sich nicht nehmen ließ, uns nachts um 1:30 Uhr mit einer Rose zu begrüßen, als wir das erste Mal nach Taurage reisten.

Neben der „Völkerverständigung“ zwischen Riedstadt und Taurage besteht die Vereinsarbeit in der Planung, Bereitstellung und Durchführung von humanitären Hilfstransporten zur Unterstützung bedürftiger Familien, von Kindern‐ und Altenheimen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen.

Langeweile kennt Doris Beyer nicht. Ihr Engagement ist vielfältig. Neben ihrer Mitgliedschaft beim Turnverein, bei den Landfrauen und dem Obst- und Gartenbauverein singt sie seit über 45 Jahren mit großer Freude im Gesangverein Germania 1841. Seit über 25 Jahren ist sie Vorsitzende des Vereins und wurde 2010 für ihr besonderes Engagement mit dem Ehrenbrief der Stadt Riedstadt geehrt. Vielleicht rühren ihre Herzlichkeit und ihr Optimismus auch ein bisschen von der Leidenschaft für Musik, denn: „Singen macht glücklich!“, wie sie selbst sagt.

Lesen Sie den kompletten Artikel in unserem Mitgliedermagazin Ausgabe März 2019 oder hier online.