Aller guten Dinge sind drei!

Familie Dostert aus Heppenheim im Portrait

Marie, Tom und Jan bereichern das Leben von Anja und Frank Dostert auf einen Schlag.

Normalerweise wächst eine Familie ja von Kind zu Kind, und damit wachsen die Herausforderungen an die Eltern. Bei Anja und Frank Dostert aus Heppenheim hat sich die Familie dagegen auf einen Schlag vergrößert. Anja lag schon eine ganze Weile während der Schwangerschaft in der Heidelberger Klinik, denn sie musste strikte Bettruhe halten, um die Geburt ihrer drei Kinder so lange wie möglich hinauszuzögern. Papa Frank war gerade auf der Arbeit in der Leitstelle in Heppenheim angekommen, als um 14:45 Uhr der Anruf seiner Frau kam: „Komm sofort her – ich geh jetzt in den Kreißsaal!“ Für die 25 Kilometer hat Frank 17 Minuten gebraucht und kam zum Glück noch rechtzeitig. Um 15:43, um 15:44 und um 15:45 Uhr sind Tom, Jan und „Nesthäkchen“ Marie dann auf die Welt gekommen. Da die örtliche Betäubung leider nicht richtig gewirkt hatte, musste Anja für den Kaiserschnitt voll narkotisiert werden. Beim Aufwachen erfährt sie gleich die allerwichtigste Nachricht: „Den Kindern geht es gut.“ Den frischgebackenen Vater hatte man vor lauter Aufregung und der Erstversorgung der Babys lange warten lassen, bis er die erlösende Nachricht erfuhr.

Die Babys waren so klein und zart und mussten noch fast drei Monate in der Klinik versorgt werden, während Mama Anja schon nach einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurde. „Für so kleine Menschlein braucht es Windeln, die so groß sind wie ein Papiertaschentuch – und anstelle eines Schnullers nuckelten die Kleinen an einem Wattestäbchen, das zuvor in Muttermilch getränkt wurde“, erzählt sie. Jeden Tag fuhren sie nun nach Heidelberg zu ihren Babys. Besuche der Eltern sind für Frühgeborene, die die schützende Umgebung des Mutterleibes viel zu früh verlassen mussten, sehr wichtig, damit sie die Nähe der Eltern weiter spüren können – und „die Sehnsucht nach den Kindern war immer da, wenn ich nicht bei ihnen war“, erzählt Anja. Anfang März war es dann endlich so weit: Die Kinder durften nach Hause. Und damit startete ein Marathon beziehungsweise vielmehr ein Triathlon – und das auf einer Ironman-Distanz: Alle drei Stunden wollen die Kleinen am Anfang ihr Fläschchen – die Zubereitung, das Füttern, das Warten auf das „Bäuerchen“ und das Windelwechseln dauern dabei gut und gerne eine Stunde pro Kind – oder auch länger. Zwischendurch muss noch schnell eine Waschmaschine laufen. Nächtlichen Schlaf gibt es natürlich auch nur mit Unterbrechungen. Drei schreiende Kinder auf einmal zu besänftigen erfordert starke Nerven. Da können nach einigen Monaten schon einmal die Kräfte nachlassen. Frank hat neben seinem Job eine Ausbildung zum systemischen NLP-Coach gemacht. Vieles von dem, was er da gelernt hat, hilft ihm in der anstrengenden ersten Zeit zu Hause. Drei Kinder schreien auf einmal und haben alle gleichzeitig Hunger – und zwar sofort –, wie das bei Babys nun mal so ist. Eigentlich wollte er in der Elternzeit seinen NLP-Master machen – aber das war mit den Drillingen einfach nicht möglich. „So habe ich meinen Master einfach anders gemacht“, erzählt er schmunzelnd. Denn als Drillingseltern haben die Dosterts binnen kürzester Zeit regelrechte Manager-Qualitäten entwickelt.

Foto: ©Patrick Liste

Dank der Drillinge hatten Anja und Frank auf jeden Fall die Möglichkeit, bis über die Grenzen der Belastbarkeit zu gehen. „Man lernt sich neu kennen und wächst gemeinsam“, fasst Anja gerade die erste Zeit zu Hause zusammen. „Zudem ist es auch so unglaublich viel, was man zurückbekommt und um wie viel Erfahrung man reicher wird, die einen stark macht.“ So schnell kann die beiden auf jeden Fall nichts mehr erschüttern oder aus der Ruhe bringen. Bei drei kleinen Kindern muss alles gut durchdacht und strukturiert sein. Man setzt eher Prioritäten „und filtert“, wie Anja Dostert sagt. Da kann man bei einer laufenden Kindernase nicht immer sofort das Taschentuch zücken. Aber was man immer geben kann, ist ganz viel Liebe, Fürsorge und Geborgenheit – und genau das strahlen Anja und Frank aus. Jedes Kind wird in seiner eigenen Persönlichkeit betrachtet und wertgeschätzt. So wurden Marie, Tom und Jan auch jeweils allein ins Bett gebracht, damit jedes der Kinder eine Exklusiv-Zeit und ein eigenes Abend-Ritual mit den Eltern erleben konnte. Denn die immer wiederkehrenden Abläufe geben dem Leben Struktur, schenken Geborgenheit, Halt und stärken das Ich- und Wir-Gefühl der Kinder. Drillinge machen mehr Arbeit und kosten mehr Geld als Einzelkinder, auch im Vergleich zu drei nacheinander geborenen Kindern. Und nach dem ersten Jahr hatten Anja und Frank auch gleich einmal eine Nachzahlung der Stromrechnung von über 1.000 Euro – ein Ergebnis des Dauereinsatzes von Waschmaschine, Trockner und Flaschenzubereiter. Allerdings gibt es keine generelle Unterstützung, die der besonderen Lage von Mehrlingsfamilien Rechnung trägt. Immerhin übernimmt der Hessische Ministerpräsident die Ehrenpatenschaft bei Drillingen, was mit Hilfen in Höhe von 3.000 Euro verbunden ist. Zum Glück bekamen Anja und Frank vom Kreisjugendamt eine Hilfe, die die Familie beim Füttern, Wickeln und Behüten 15 Stunden pro Woche unterstützte.

Mittlerweile gehen die Kinder in die Kita und Anja Dostert fängt langsam an, darüber nachzudenken, wieder arbeiten zu gehen. Neben all der Freude, dem Spaß und dem Stress – alles mal drei, vermisst sie ihren Job. In der Kita bekommen die Kinder viele neue Impulse und haben Möglichkeiten, die zu Hause nicht so gegeben sind. Wer mit drei Zweijährigen allein auf dem Spielplatz ist, kann davon ein Lied singen. In der Kita können die Kinder gefahrlos toben, klettern und spielen und ihre ganz eigenen Erfahrungen machen. Frank Dostert, gelernter Rettungsassistent, arbeitet in der Leitstelle des Eigenbetriebs Rettungsdienst Kreis Bergstrasse und nebenbei auch noch als freier Dozent im Bereich Notfallmedizin. Da er seine Arbeitszeit reduzieren kann, hat Anja die Möglichkeit, wieder arbeiten zu gehen. Die gelernte Übersetzerin arbeitet als Assistentin am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre an der Uni Mannheim. Dass das Nebeneinander von Familie und Beruf nicht einfach zu gestalten ist, wissen die Dosterts. Und wer Kinder hat, weiß, wie schnell etwas Unvorhergesehenes passieren kann. Aber wenn Anja und Frank eines gelernt haben, dann ist es das: Es gibt für alles eine Lösung und kein größeres Glück als das hoch drei.