Mit einer Vision und Leidenschaft erreicht man viel

Michael Dreißigacker im Portrait

„Jeden Tag eine gute Tat“, lautet das mitunter belächelte Motto der Pfadfinder, denen sich Dreißigacker sehr verbunden fühlt. Seit über 20 Jahren schlüpft er für die Weihnachtsfeier in das Nikolaus-Kostüm. Und so ist das ehrenamtliche Engagement ganz selbstverständlich für den Unternehmer aus Lampertheim. Der Vater zweier Kinder engagiert sich zudem als Mitglied des Tourismusausschusses bei der IHK-Vollversammlung.

Manchmal sind es eher die unbequemen Wahrheiten, die der sympathische Unternehmer auf den Tisch bringt. Menschlich, ehrlich, authentisch, das ist Michael Dreißigacker.

Aber erst einmal zurück auf Los. Der Schüler Michael weiß nicht so recht, was nach der Schule aus ihm werden soll. Eine Ausbildung bei Daimler-Benz in Mannheim kam ihm in den Sinn. Aber all die eher „angenehmen“ Ausbildungsstellen waren schon besetzt. Was blieb, war eine Lehre zum Gießereimechaniker. Während seiner Ausbildung lernte er Eric Otto kennen. In den Pausen philosophieren die beiden immer wieder darüber, was man denn noch so aus seinem Leben machen könnte. Beide sahen ihr Ziel nicht darin zu leben, um Geld zu verdienen. Alltag, Schichtdienst, der Blick verwässert, eine gewisse Lethargie macht sich breit. Das passt nicht zu der Dynamik eines Michael Dreißigackers, der schon immer gerne gearbeitet und sich engagiert hat. In der Zwischenzeit war er in der Qualitätssicherung tätig und gestaltete die Mitarbeiterzeitschrift mit. Jobs mit Spaß, aber irgendwie war da immer noch der Traum von etwas anderem.

Das andere, das war eine Kletterhalle. Eric Otto war schon immer kletterbegeistert und so kam den beiden Jungs die zündende Idee, eine Kletterhalle zu bauen. Michael Dreißigackers Erfahrungen im Klettern waren überschaubar, immerhin war er einmal als knapp 17-Jähriger 14 Tage Klettern im Kleinwalsertal. Michael und Eric merkten ganz schnell, dass ihre Idee kein reines Hirngespinst war – immer wieder trieb sie der Gedanke um und so starteten die beiden, um ihre Idee in die Tat umzusetzen. Stück für Stück trieben sie ihr Vorhaben voran – zehn Jahre sollte es dauern, bis sich ihr Traum erfüllte. 

Michael und Eric machten sich nun daran, ihre Kletterhalle von langer Hand zu planen. Eine recht stattliche Summe musste zusammenkommen – und so gründeten sie „HIGH MOVES“, einen Hausmeister-Service mit Industriekletterarbeiten. „Das war eine perfekte Nische zum Geldverdienen“, so Dreißigacker. Zusammen mit Otto absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekletterer im Elbsandsteingebirge. Hauptberuflich haben die zwei immer noch bei Daimler-Benz gearbeitet und in der Freizeit dann ihre Kletter-Jobs gemacht. Bis heute klettern sie an allem rauf und runter, was richtig hoch ist, reinigen, befestigen, montieren und reparieren.

Der Hausmeister-Service läuft gut, Dreißigacker und Otto können so genügend Geld für das notwendige Eigenkapital zusammensparen. Ihr gespartes Geld leihen sie zwischendurch auch noch einem Freund, der eine Vision, aber kein Geld hat und damit ein sehr erfolgreiches Unternehmen im Bereich Webseiten-Optimierung gründet. Davon konnte wiederum auch HIGH MOVES profitieren. „Man erntet, was man sät“, fällt Dreißigacker im Rückblick dazu ein.

Bei Daimler-Benz kommt es zu Umstrukturierungen, mit denen auch ein Stellenabbau einhergeht. Nach über 15 Jahren geben die beiden ihre gesicherte Festanstellung auf und lassen das Werkstor für immer hinter sich. Dreißigacker und Otto kaufen ein Grundstück im Gewerbegebiet von Bensheim. 2007 war dann die Grundsteinlegung des 1,5-Millionen-Projekts in der Albert-Einstein-Allee in Bensheim. Stück für Stück entstand eine Kletterhalle der besonderen Art, architektonisch sehr ansprechend gestaltet. In der Halle hält man sich gerne auf, sie ist nicht nur zweckmäßig auf das Klettern in all seinen Facetten (Sportklettern, Bouldern, Hochseilgarten, Airwalk, Teambuilding) ausgerichtet. Zusätzlich sorgt sie mit Sauna, Kamin, Bar und Garten für einen atmosphärischen Mehrwert. Das gesamte Vorhaben stand schon immer unter dem Motto „Gemeinsam zum Ziel“. Das haben Dreißigacker und sein Partner auf ein silbernes Rohrstück gravieren lassen. Heute haben sie 40 ausgebildete und qualifizierte Mitarbeiter.

Was das Unternehmen so erfolgreich macht, ist die gute Geschäftsphilosophie: Das Geld, das sie verdienen, haben sich Dreißigacker und Otto nicht in die eigene Tasche gesteckt, sondern immer wieder investiert. „Zum Teil hatte ich weniger Urlaubstage und auch einen niedrigeren Verdienst als zu meinen Zeiten als Angestellter“, erzählt Dreißigacker, „aber das nimmt man gerne in Kauf.“ „Das Leben beginnt irgendwann und hört irgendwann auch wieder auf – die Zeit dazwischen muss man nutzen“, philosophiert er. „Der Mensch braucht eine Vision, eine Leidenschaft, an die er glaubt – dann kann man vieles erreichen und aus wenig viel machen“ – das ist eine Dreißigacker-Weisheit, die er selbst verinnerlicht hat.