Helfen als Berufung

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das gilt umso mehr, wenn die Reise keine Urlaubsreise ist, sondern als Hilfseinsatz in ein fremdes Land führt, in dem sich gerade ein Erdbeben, ein schwerer Industrieunfall oder eine andere Katastrophe ereignet hat. Der in Trebur-Geinsheim lebende Michael Walsdorf kennt sich aus mit solchen Reisen, denn er engagiert sich seit über einem Vierteljahrhundert für die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, weltweit besser bekannt als „THW“.

Angefangen hat alles ganz harmlos. Während seiner Ausbildung zum Bauzeichner verpflichtete er sich, wie so viele, als Wehrersatzdienstleistender beim THW-Ortsverband Groß-Gerau. Dort lernte er in einer soliden Grundausbildung, wie man Notstromaggregate betreibt, Hochwasserdeiche sichert, die Trümmer eines eingestürzten Hauses wegräumt, aus Baumstämmen mit Seilverbindungen eine Behelfsbrücke baut und vieles andere mehr.

Dass aus den paar Jahren, die er sich verpflichten wollte, um nicht zur Bundeswehr gehen zu müssen, eine Lebensaufgabe und sogar ein Beruf werden würde, hätte sich der Auszubildende damals nicht träumen lassen. Zunächst war er einer von vielen ehrenamtlichen Helfern. Aus Spaß an der Sache übernahm er freiwillig zusätzliche Aufgaben und wurde nach einigen Jahren sogar zum Vorsitzenden des Ortsverbands Groß-Gerau ernannt. Anfangs konzentrierte er sich auf Zusatzlehrgänge und Übungen, später kamen die ersten Hilfseinsätze, denen diese Vorbereitungen dienten. Denn für die umfangreiche Ausbildung, die jeder THW-Helfer absolvieren muss, gibt es gute Gründe: Beispielsweise erlernt jede THW-Mannschaft einfache Techniken zur Bergung und Rettung verschütteter Menschen. Die Helfer wissen aber auch, wie man ohne moderne Hilfsmittel eine zerstörte Infrastruktur notdürftig instand setzt, sodass sie zeitweilig ihre Funktion wieder erfüllen kann.

Dieses Wissen ist oft lebenswichtig. Das konnte Michael Walsdorf bei zahlreichen Einsätzen im In- und Ausland immer wieder erleben. Denn nach über zwanzig Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit bot sich ihm die Chance, eine Stelle als hauptamtlicher Mitarbeiter des THW Landesverbands Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland anzutreten. „Sehr zum Leidwesen meiner Frau“, gibt der Familienvater unumwunden zu, „sie war nicht gerade begeistert, dass ich plötzlich von einem Katastrophenschauplatz zum nächsten reisen musste, während sie mit unserem Sohn zu Hause sitzt und sich Sorgen macht.“ Auf diese Weise wurde er mittlerweile Augenzeuge der dramatischen Auswirkungen von fast einem Dutzend Naturkatastrophen auf vier Kontinenten. Oft berichtet er anschließend in Vorträgen über das Erlebte – auch bei der Volksbank hat er schon über das THW und seine Einsätze referiert.