Der Wunsch nach Unabhängigkeit

Nese Yavuz im Mitgliedsporträt

Etwa 6.000 Kilometer von Groß-Gerau entfernt liegt Doha – die Hauptstadt des Emirats Katar im Persischen Golf. Katars Pro-Kopf-Einkommen ist eines der höchsten der Welt. „Aber das reichste Land der Welt hat nicht das beste Brot der Welt“, erzählt Nese Yavuz lachend. Die Groß-Gerauerin muss es wissen, denn sie ist Geschäftsführerin der German Bakery Company, kurz GBC. Das Unternehmen hat sich auf den Vertrieb deutscher Backwaren nach Katar spezialisiert. Von Groß-Gerau aus lenkt Nese Yavuz den Weg der Waren, die in Katar sehr gefragt sind. Kein Wunder, Deutschland ist bekannt für seine Backtradition.

„Unsere Backwaren werden mit den hochwertigsten Zutaten hergestellt, denn wir arbeiten ausschließlich mit etablierten Herstellern zusammen. Wir wählen nur die besten Brote und Backwaren, um unseren Kunden und damit auch ihren Kunden Tradition, Gesundheit, Frische und Geschmack bieten zu können“, erklärt Nese Yavuz. Mit dieser Geschäftsphilosophie hat sie Erfolg. Ihr Unternehmen beliefert sämtliche Fünf-Sterne-Hotels sowie Supermärkte, Restaurants und Cafés in Doha. Und wer mit der lokalen Airline fliegt, bekommt in der Business- und First Class Leckereien von GBC.

Die Sehnsucht nach der großen weiten Welt hat Nese Yavuz schon immer angetrieben. Um mehr von der Welt zu sehen, machte Nese eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau. Dank einiger Inforeisen erweiterten sich ihr Radius und ihr Horizont. Aber das reichte ihr nicht. Für verschiedene Fluggesellschaften arbeitete sie am Frankfurter Flughafen und machte eine Weiterbildung zur Luftverkehrskauffrau. Dabei lernte sie beim Blick hinter die Kulissen das unternehmerische Geschehen einer Airline in Theorie und Praxis kennen und merkte, dass sie ihre organisatorischen, planerischen und betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten verbessern wollte. Neses Antrieb ist es, sich immer weiterzuentwickeln, sich neue Herausforderungen zu suchen und sich diesen zu stellen. Das nächste Ziel war der Abschluss als Verkehrsfachwirtin. Die Ausbildung war alles andere als ein Zuckerschlecken. Neben ihrem Job in Vollzeit und als Mutter einer kleinen Tochter musste Nese viel Zeit und Geld investieren, um ihr Ziel zu erreichen. Aber aufgeben ist nicht ihr Ding.

„Never give up!“ ist für sie zu einem gelebten Satz geworden. Nach einigen Umwegen, immer wieder neuen Herausforderungen und Schwierigkeiten hat sie es mit ihrer Willensstärke, ihrem Ehrgeiz, ihrem Mut und ihrem Können geschafft, heute Geschäftsführerin eines stetig wachsenden Unternehmens zu sein. Das Team von GBC besteht ausschließlich aus Frauen. Zwei Angestellte arbeiten in Doha direkt vor Ort, drei in Groß-Gerau. Nese Yavuz selbst hat ihr Büro in Groß-Gerau, einmal im Monat ist sie in Katar.

Nachdem sie ihre Geschäftsidee seit Sommer 2012 immer weiter ausbaute, gründete sie im Januar 2014 eine GmbH. Und Ende 2014 in Doha noch eine weitere Firma, die eine 100-prozentige Tochter der GBC ist. Denn neben der Bedingung, einen Mehrheitspartner zu haben, gibt es noch eine weitere, um in Katar geschäftlich tätig sein zu können: Man muss vor Ort sein – ein Risiko, das viele ausländische Firmen scheuen. Neue Chancen sieht Nese Yavuz durch die Fußball-WM in Katar im Jahr 2022. Ihr Ziel ist es, trotz des Erfolgs bodenständig zu bleiben und nicht abzuheben. Wer sie kennengelernt hat, weiß, dass sie das schafft. Und dass sie sicherlich auch ihr nächstes Ziel erreichen wird: den gesamten Mittleren Osten mit den Backwaren von GBC zu erobern.