Mitgliederportrait: Songwriter und Musikproduzent Nosie Katzmann

"Der Kopf ist der größte Feind der Kreativität"

Wie hat man sich einen der erfolgreichsten deutschen Berufsmusiker vorzustellen? „Hotelzimmer zertrümmernd“? Laut, exzentrisch und mit Allüren? Aber nein, davon kann keine Rede sein – Nosie Katzmann ist ein ruhiger, freundlicher und bescheiden gebliebener Mensch, dem Ruhm wenig bedeutet.

"Ich hab‘ in meinen Anfangsjahren oft nicht gewusst, wie ich die Miete bezahlen soll. Wer sowas erlebt hat, hebt auch später nicht ab, wenn er erfolgreich ist" lautet seine Erklärung. Casting-Shows oder andere "direkte" Karrierewege ins Musikbusiness gab es früher nicht, also nahm er einige Umwege. Das kostete zwar Zeit, brachte aber auch Menschenkenntnis und Lebenserfahrung, die ihm geholfen haben und die er in Songs umsetzen konnte.

Ursprünglich hat er mal Gärtner gelernt und war an der Darmstädter Hochschule für die Pflege der Außenanlagen zuständig. "Ich war ein schlechter Gärtner" gesteht er zerknirscht und erzählt auch gleich die Anekdote von seiner Abschlussprüfung. In der Nacht zuvor war er – wie so oft – mit Freunden in der legendären Darmstädter Musikkneipe "Zur goldenen Krone" versackt. Also schleppte er sich am nächsten Morgen müde und verkatert zur Prüfung, die er nur mit Ach und Krach bestand. Sein damaliger Chef schüttelte den Kopf und meinte, aus ihm werde nie ein ordentlicher Gärtner. Und der Chef behielt Recht: statt Blumen und Bäume in die Erde, setzt Nosie Katzmann inzwischen Noten und Worte aufs Papier. Und das tut er seit über zwanzig Jahren mit beträchtlichem Erfolg!

Ab Anfang der Neunziger landete Nosie Katzmann einen Nummer-1-Hit nach dem nächsten. Teilweise hatte er weltweit zeitgleich bis zu zwölf (!)Titel in den Charts. Songs wie "Mr. Vain", "More and More" oder "Right in the Night" werden heute noch regelmäßig im Radio gespielt und finden sich auf allen Samplern zu den Neunzigern.

Nicht selbst als Interpret ein "berühmtes Gesicht" geworden zu sein, hat der Produzent weltbekannter Hits früher gelegentlich bedauert. Doch jetzt wirkt er rundum zufrieden, an seinem Leben ändern würde er nichts – obwohl er sich auch mal vorstellen konnte, Familie zu gründen und "Hausmann" zu werden.  "Hat sich aber nicht so ergeben!" Vieles sieht er inzwischen mit "Altersweisheit", wie er augenzwinkernd zu verstehen gibt: "Das einzig wirklich Gute am Geld ist: es macht frei. Zuviel Ruhm jedoch macht unfrei." Deshalb genießt er es heute durchaus, in der intensiveren Atmosphäre vor kleinerem Publikum aufzutreten. Und er ist heilfroh, sich ganz normal unter Menschen bewegen zu können, ohne ständig erkannt, angesprochen und fotografiert zu werden. Der Musiker lebt eher zurückgezogen, pendelt zwischen Potsdam, Hamburg und seiner alten Heimat Südhessen. Ansonsten verzichtet er weitgehend auf materiellen Luxus, macht gerne lange Waldspaziergänge, hat kürzlich die vegane Küche für sich entdeckt und gesteht, dass er in seiner Freizeit fast überhaupt keine Musik hört, sondern viel Ruhe braucht und lieber ein gutes Buch liest…