Schnell unterwegs zum Sieg

Simon Albrecht im Mitgliedsporträt

Seinen ersten Wettkampf bestritt Simon Albrecht 2000, mit gerade einmal fünf Jahren. Nebenher hatte er auch noch Fußball gespielt, aber ziemlich schnell wurde klar, dass er sich für eine der Sportarten entscheiden musste. Er entschied sich für das Speedskating. „Da waren einfach ein paar mehr meiner Freunde mit im Verein“, erzählt er lapidar – der Sportler, der dann Medaillen zuhauf gewonnen hat. Zum Beispiel zweimal Gold und einmal Silber bei den World Games 2017 in Breslau. Die World Games sind ein internationaler Wettkampf in Sportarten, die eine olympische Anerkennung haben, aber nicht zum Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele gehören. Wer glaubt, dass Simon Albrecht einfach ein bisschen schneller unterwegs ist (nämlich mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 60 Kilometern) als der Freizeitsportler auf seinen Inlineskates, der täuscht sich gewaltig.

Rasant unterwegs mit der richtigen Taktik

Die Wettkämpfe gehen über verschiedene Distanzen. Bahnrennen sind zwischen 500 m und 15000 m lang. Straßenrennen variieren zwischen 100 m und 20000 m bis hin zu Halbmarathon- und Marathonstrecken – für die ein Sportler wie Simon gerade einmal 65 Minuten braucht. „Neben der Kraft und der Ausdauer ist beim Speedskating die Taktik von entscheidender Bedeutung. Es gilt, den Windschatten des Vordermannes auszunutzen um Kraft zu sparen“, so Albrecht. Die Organisation der Fahrer in Teams während eines Rennens ist mit dem eines Radrennens vergleichbar. Unabdingbar sind natürlich auch Schnelligkeit, Ausdauer und Sprintvermögen. Ein so guter Speedskater wie Simon Albrecht zeichnet sich natürlich auch durch Cleverness, taktische Intelligenz und ein schnelles Erfassen von Situationen aus.

„Die Planung und die Koordination von Sport und Studium sind wirklich eine Herausforderung“, berichtet Simon. Wenn Meisterschaften in die Klausurphasen fallen, bedarf es dann auch des Wohlwollens des Professors, dass man eine Klausur nachholen kann. All das ist nicht einfach, denn als Spitzensportler muss man bei jedem Wettkampf natürlich auch mental voll da sein. Auch die „Gefahren“ des Studiums sind nicht zu unterschätzen. Beim Uni-Sport hat sich Simon eine Zerrung zugezogen – und das auch noch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: in der Trainingsphase für die Weltmeisterschaft in den Niederlanden. Im Verletzungsfall ist Simon, wie so viele Profisportler im Randsportbereich, auf sich allein gestellt. „Da ist es nur gut, wenn man einen Top-Physiotherapeuten zu seinem Freundeskreis zählen kann“, so Simon. Im Gegensatz zu einem Profifußballer kann Simon bis heute kein Geld mit seinem Sport verdienen. „Leider können wir von unserem Sport nicht leben“, erklärt er. Einfacher wäre es natürlich, wenn es hierzulande so wäre wie in Kolumbien, der Top-Nation im Speedskating. Dort finanziert der Staat die Athleten. Denn auch die Ausrüstung hat ihren Preis. Simon hat individuell angepasste Schuhe, die deutlich über 1.000 Euro kosten. Dazu kommen pro Saison ca. 25 Sätze Rollen – 150 bis 200 Euro kostet ein solcher Satz. Ein teurer Sport, denn zu den Materialkosten kommen auch noch Reisekosten. Den klassischen Familienurlaub gab es für Familie Albrecht daher nie. Die „Urlaube“ waren die Reisen zu den Europacups. Aber die Wettkämpfe gehen weit über die Grenzen Europas hinaus. Die Junioren-Weltmeisterschaft 2014 führte Simon beispielsweise nach Argentinien.

Auch wenn Speedskating als Sportart noch nicht so bekannt ist, werden die Erfolge der Athleten immerhin wahrgenommen. Simon erhielt als mehrfacher Welt- und Europameister die höchste Auszeichnung, die es für einen deutschen Sportler gibt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier persönlich überreichte ihm das Silberne Lorbeerblatt. An dem Abend der Verleihung durfte er dann auch eine Rede als Repräsentant des DOSB halten. In dieser machte er sich stark für seinen Sport, damit Speedskating einmal eine olympische Disziplin wird.

Einmal Olympische Spiele

Denn das ist Simons großer Traum. Aber anstatt darauf zu warten, hat der Groß-Gerauer einen Plan B: Kufen statt Rollen. Vom Speedskating wechselt er probehalber auf die Eisbahn. Denn grundsätzlich sind Eisschnelllauf und Speedskating eng verwandte Sportarten. Der Erfolg auf dem Eis ist Simon Albrecht nur zu wünschen. Wer den sympathischen Sportler, der bei all seinen Erfolgen bescheiden geblieben ist, kennengelernt hat, weiß, dass eine erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking alles andere als ausgeschlossen ist.