Der Herr der tausend Bilder

Volker Weicker ist der Meister des Augenblicks

Millionen Menschen schalten seine Sendungen ein – beim Eurovision Song Contest 2006 in Athen waren es sogar über 100 Millionen –, gesehen haben ihn bisher aber nur wenige. Und auch sein Name ist im Vergleich zu manchem Film-Regisseur eher unbekannt – in heutigen Zeiten wird beim Abspann gespart.

Die Rede ist von Volker Weicker – einer der renommiertesten und erfolgreichsten Live-Regisseure Deutschlands. Dank ihm wird der spannende Live-Moment, in dem Klitschko über seinen Sieg jubelt oder eine Nachwuchshoffnung bei „Deutschland sucht den Superstar“ bittere Tränen der Enttäuschung weint, am Bildschirm erlebbar. Über 7.000 Arbeiten als freiberuflicher Fernsehregisseur, unter anderem bei Sportereignissen wie Boxen, Fußball oder Skispringen, bei Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“, „Wetten, dass..?“, „5 gegen Jauch“ oder „Schlag den Raab“, die Kanzlerduelle, Talkshows, Comedy-Sendungen, Konzerte und Theater, etwa bei Dieter Wedels „Nibelungen“, kann sich der gebürtige Darmstädter auf seine Fahne schreiben. Seit 2001 hat er eine Professur für Live-Regie an der Kunsthochschule für Medien in Köln inne.

Unzählige Fernsehpreise konnte er schon im Laufe seiner Karriere entgegennehmen. Bei manchen Preisverleihungen wie dem Deutschen Fernsehpreis 2012 für die beste Sportsendung oder dem Grimme-Preis 2002 musste er dem Gewinn gar nicht erst entgegenzittern, denn er selbst führte Regie und war vorab über die Gewinner informiert, um im richtigen Moment die richtigen Bilder einzufangen.

Gute Arbeit gelingt nur im Team, und Teamwork geht nicht ohne gute Kommunikation – das hat Weicker drauf. Man kann sich gut vorstellen, dass dieser Mann mit Persönlichkeit und Herz die Fähigkeit hat, seine Kollegen zu motivieren, zu koordinieren und zu leiten. „Ich arbeite mit bis zu 120 Leuten pro Sendung zusammen, die muss ich alle auf den Punkt motivieren, damit eine möglichst gute Teamarbeit zustande kommt.“ Dafür braucht es vor allem Vertrauen untereinander, denn ein einmal gesendetes Bild kann nicht mehr zurückgeholt werden. Viele Sender setzen ihr Vertrauen in den Regisseur. „Bei ihm kann man sich sicher sein, dass immer gute Bilder aus der Live-Sendung bertragen werden“, heißt es bei RTL.

Sein Job erfordert höchste Konzentration, zum Teil auch bis zu neun Stunden – wie am 11. September 2001. Wie viele wichtige Momente in Weickers Leben entstand dieses Engagement eher durch einen Zufall. Eigentlich hätte er an diesem Tag Regie beim Champions-League-Spiel zwischen Schalke 04 und Panathinaikos Athen führen sollen. Doch dann krachte ein Flugzeug in die Twin Towers in New York und Weicker übernahm spontan die RTL-Regie – und erhielt dafür den Adolf-Grimme-Preis Spezial 2002.